Greifen, halten, tippen, tasten, kneten und zeigen sind nur einige der unzähligen Verben, die Tätigkeiten bezeichnen, welche den Händen zuzuschreiben sind. Bei genauer Betrachtung der Hände wirken Letztere ziemlich skurril: Der lange und geradlinig verlaufende Unterarm geht über in die grosse und am ehesten rechteckige Handfläche mit ihren unterschiedlichen Linien. Aus der Handfläche wachsen des Weiteren fünf knöchrige bis wurstige Finger heraus. Der Erste, der Daumen – bei der heutigen Handygeneration mit viel Bewegungsfreiheit versehen. Darauf folgen die theoretisch parallel verlaufenden übrigen vier Finger: der Zeigefinger, der bei den Nicht-Handygenerationen als der beweglichste unter den Fingern gilt und seinen Namen seines (Haupt-)Verwendungszweckes wegen trägt; dann der Mittelfinger, welcher oft bei der nonverbalen Kommunikation für rote Köpfe sorgt; daraufhin der Ringfinger, wobei insbesondere der linke Ringfinger vor dem Traualtar seinem Namen alle Ehre zu machen pflegt; zu guter Letzt der kleine Finger, welchem ich nur durch persönlichen Missmut aufgrund meiner total missratenen kleinen Finger eine Bedeutung beimessen kann. Hat der kleinste unter den Fingern auch eine speziell im zugeteilte Aufgabe?

Nun, ich möchte auf jeden Fall keinen meiner Finger missen.

Was würden wir nur ohne unser Greifwerkzeug tun? Ich habe lange gegrübelt, aber mir hat und hat kein einziger Beruf in den Sinn kommen wollen, bei dem nicht bei irgendeinem noch so simplen aber notwendigen Arbeitsschritt die Hände von Nöten sind. Auch viele Hobbies – vom reinen Musik Hören und Fussballspielen mal abgesehen – wären ohne unsere Finger nicht praktizierbar. Genaugenommen benötigt man gar beim Musik Hören die Finger – oder wie gedenkt ihr das Radio anzustellen, die Lautstärke aufzudrehen und gewisse Titel auszuwählen?

Bei gewissen Tätigkeiten ist gar eine wahre Fingerakkrobatik von Nöten, wie beispielsweise beim Spielen auf Saiteninstrumenten oder einem Klavier, beim Schreiben auf der Tastatur oder beim Massieren.

Daher werden die Finger und mit ihnen die ganze Hand im Laufe des Lebens arg in Mitleidenschaft gezogen: Sie werden in Türen eingeklemmt, kriegen eins mit dem Hammer übergezogen, müssen anstelle des Brotes herhalten, werden mit Chemikalien jeglicher Zusammensetzung attackiert und sind auch vor dem Feuer nicht gefeit.

Doch bereits der Alterungsprozess an sich setzt den Händen und dem ganzen restlichen Körper eines jeden Menschen zu; es bilden sich Grübchen, Gräben und tiefe Schluchten – die insbesondere von Frauen und den dazugehörigen (Ehe-)Männern gefürchteten Falten.
Doch genau diese Falten erzählen in ihrer ganz eigenen Art und Weise die Lebensgeschichte der dazugehörigen Person. Die Hände haben jeden Augenblick des vielleicht noch so jungen Lebens miterlebt und verdienen daher meine Bewunderung. Von filigran bis ausgemergelt, von braun und rau bis weiss und fein, mit oder ohne Ring, mit langen oder kurzen Nägeln, weist jede Hand ihre ganz persönlichen Eigenschaften auf. Schon nur die Tatsache, dass mit einer extrem grossen Wahrscheinlichkeit keine zwei Menschen auf der ganzen Welt (und dies sind überaus viele) die gleichen Fingerabdrücke finde ich äusserst faszinierend.

Daher liegt es auf der Hand, dass ich mich mit dem Thema Hand auf meine Weise auseinandersetze: Ich kritzle sie auf Papier:

In diesem ersten Fall habe ich eine Postkarte abgezeichnet, zumal mein Vorstellungsvermögen mich manchmal gänzlich im Stich zu lassen scheint und ich mich voll und ganz auf die Technik konzentrieren kann – eine Technik, die bei meinem ehemaligen BG-Lehrer für Magenschmerzen und abschätzige Kommentare gesorgt hat. Nun, ich bin ich und kein berühmter Künstler und daher erachte ich meine Kritzeltechnik durchaus als vertretbar.

Eine weitere Postkarte aus derselben Serie war Vorbild für das folgende Gekritzel:

Da ich für mein eigenes Gekritzel schon einige klasseninterne Berühmtheit erlangt habe, kann ich in diesem Rahmen durchaus über meine bisweilen fremd anmutende Gewohnheit schreiben. Ich pflege einiges an Gekritzel sofort nach der Fertigstellung im nächstgelegenen Abfalleimer zu entsorgen – sei es aufgrund der miesen Qualität oder wegen der Gefahr, dass ich mich bei meinem nächsten Gekritzel vom nun zu Müll mutierten Gekritzel beeinflussen lassen würde. Ähnliche Motive werden wohl oder übel mit dem Vorgänger verglichen und man findet immer etwas, dass beim Ersten besser gewesen ist. Aufgrund ebendieser gerade geschilderten Haltung gegenüber in den Abfalleimer wandernden Gekritzels haben nicht viele der von mir gezeichneten Hände überlebt. Einige der Überlebenden haben darüber hinaus Zuflucht in anderen Haushalten gesucht, weshalb ich hier nun das letzte sich in meiner Obhut befindende Gekritzel auch noch der Öffentlichkeit präsentiere möchte:

Auch dieses Bild wäre für meinen ehemaligen BG-Lehrer Magenverstimmmungen fördernd, zumal ich mit Pinsel und Wasserfarben zu wenig Mut bewiesen habe und für zu wenig Kontraste gesorgt habe. Aber wie bereits erwähnt, dies ist Mäins – meine persönliche Technik.

Ich werde auch weiterhin immer wieder neue Dinge versuchen (Acryl, Öl…) und je nach Lust und Laune einiges Gekritzel des Schreckens in diesem Rahmen publizieren.